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Straßenverkehr in Dublin 
von Marion

Da es an diesem Wochenende immer noch herrlich sonnig und einigermaßen warm war, haben wir endlich mal wieder unsere Fahrräder herausgeholt, die seit unserem Umzug nach Dublin Winterschlaf gehalten haben. Der erste Ausflug führte uns auf einem schönen Fahrradweg an der Küste entlang nach Norden Richtung Howth und durch den St. Anne's Park zurück. Dieser Radweg ist wirklich schön, aber viele von dieser Sorte gibt es leider nicht. Und im Straßenverkehr ist es in Dublin für Radfahrer doch eher ungemütlich. Nicht umsonst tragen die meisten Radler gelbe Warnwesten, Rücksicht genommen wird hier kaum.

Das ist auch eine gute Gelegenheit, mal ein paar Worte zum Straßenverkehr hier in Dublin zu verlieren. Den Nahverkehr hatte ich ja vor einiger Zeit schon mal näher beleuchtet.

Dass in Irland Linksverkehr herrscht, dürfte ja weitgehend bekannt sein. Alle schlechten Angewohnheiten hat man halt von den Engländern übernommen ;-). Die Fußgängerampeln - die übrigens ein sehr lustiges, nicht beschreibbares Geräusch machen, wenn sie auf Grün springen - haben hier auch drei Farben wie die Ampeln für den normalen Verkehr: rot bedeutet "stehenbleiben", gelb "nicht mehr loslaufen" (aber die Autos haben noch rot) und grün das übliche halt. Eines haben die drei Farben aber gemeinsam: Sie werden von den Dublinern komplett ignoriert. Nur Touristen bleiben bei Rot stehen, alle anderen laufen einfach drauf los, wenn die Autos nicht gerade vorbeizischen. Sobald langsam gefahren wird oder das nächste Auto ein paar Meter weit weg ist, sehen es die Fußgänger hier als ihr Recht an, einfach loszulaufen. Die Autofahrer finden das nicht so toll und hupen dann gerne mal drauf los - meist gewinnen aber doch die Fußgänger, da sie im Stadtzentrum immer in Rudeln auftreten und dadurch stärker als die Autos sind.

Ja, die Menschenmassen. Man hat echt das Gefühl, es wird von Tag zu Tag voller in der Stadt. Im Zentrum muss man sich eigentlich zu jeder Zeit (zumindest immer, wenn die Geschäfte offen sind), durch Menschenmassen schieben. Das ist ganz schön nervig, aber so langsam scheine ich mich daran zu gewöhnen. Zumindest finde ich es nicht mehr ganz so schlimm wie am Anfang.

Doch zurück zum Straßenverkehr. Aufgrund des schlechten Nahverkehrssystems - immerhin gibt es jetzt hochfliegende Pläne, sogar U-Bahnen zu bauen, aber das wird wohl noch ein paar Jährchen dauern - fahren möglichst viele Leute mit dem Auto zur Arbeit, was zu einem täglichen Doppelstau führt, morgens in die Stadt hinein, nachmittags/abends aus der Stadt heraus. Die etwas mehr als 4 Kilometer bis zu meinem Arbeitsplatz lege ich zu Fuß genauso schnell zurück, wie der Bus, der etwa die gleiche Strecke fährt.

Interessant ist auch das Fahrschulsystem hier. Zunächst macht man wie in Deutschland einen Theoriekurs und legt dann eine theoretische Prüfung ab. Hat man die bestanden, bekommt man eine provisorische Fahrerlaubnis, mit der man sich sofort in den Straßenverkehr wagen kann, vorausgesetzt es sitzt ein erfahrener Fahrer mit im Auto und man hat ein großes rotes "L" auf weißem Grund gut sichtbar an der Scheibe angebracht. Man muss also gar nicht unbedingt professionelle Fahrstunden nehmen. Die meisten nehmen aber zumindest ein paar Stunden am Anfang. Wenn man eine richtige Fahrerlaubnis haben will, muss man eine praktische Prüfung ablegen. Dazu muss man sich anmelden und kommt auf eine Warteliste. Es kann auch (wie z.B. bei meiner Kollegin) durchaus ein Jahr dauern, bis man einen Prüfungstermin bekommt. Wenn einem dann der zugeteilte Termin - aus welchen Gründen auch immer - nicht passt, muss man sich von neuem anmelden und kommt wieder auf die Warteliste.

Die erste provisorische Fahrerlaubnis gilt ein Jahr. Hat man in dieser Zeit es noch nicht geschafft, die praktische Prüfung abzulegen, kann man eine weitere provisorische Erlaubnis beantragen. Mit dieser darf man dann sogar alleine Auto fahren (aber so weit ich weiß weiterhin mit dem L), denn man nimmt anscheinend an, dass der Führerscheinanwärter nach einem Jahr provisorischer Fahrerlaubnis nun genügend Erfahrung hat, um alleine auf die irischen Straßen gelassen zu werden. Ist diese zweite provisorische Erlaubnis dann wieder abgelaufen und man hat immer noch nicht die praktische Prüfung gemacht, kann man (ja, tatsächlich!) ein drittes Mal so ein Provisorium beantragen. In dieser Phase muss man dann auch wieder mit Begleitung fahren, wohl nach der Argumentation: Wer nach der langen Zeit immer noch nicht die praktische Prüfung bestanden hat, sollte wohl besser nicht alleine fahren. Das ganze System ist schon ein wenig kurios ... ;-)
(Keine Gewähr auf die Korrektheit der Aussagen, die Infos stammen von meinen Kollegen, ich habe nicht im Gesetz nachgeforscht.)

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